l’och pour l’och

Markus Bromm: l’och pour l’och (2007/08)

l´och pour l´och ist eine Installation des Freiburger Künstlers Bromm mit dem er den offenen, hochkantigen white cube des Kunstkiosk Ehrenkirchen bespielt. Loch für Loch ist die Machart der Objekte aus verschiedenen Fundstücken des Alltagsgebrauchs, welche mit kraterartigen Wunden versehen, im scheinbar durchlässigen Loch in der Wand “ausgestellt” sind. L´art pour l´art ist eine olle Kunstkamelle, die nu aber schon mal per definitionem selbstverständlich ist.
Brandmalerei ist vor allem in der sakralen und weltlichen Volkskunst und dem als eher unsexy einzustufenden Kunsthandwerk, also in Bereichen der angewandten Kunst verbreitet, und verbindet sich hier mit der durch den Verwendungszweck bestimmten Form der ursprünglichen Objekte, also dem Design der Nutzgegenstände. Design trägt das Konzept von Zeitlichkeit bereits in sich, so dass über die Vergänglichkeit schon zum Zeitpunkt der Herstellung Konsens herrscht. Die Machart, die Gegenstände, die Objekte, die Deformation von Körpern spiegeln sich im organischen Material, dem Wachsen, Werden und Vergehen des Holzes, das in diesem Prozess auf seine Umwelt reagiert. Pyropainting ist damit ein memento mori an sich, was hier thematisch aufgegriffen und sowohl durch die skulpturalen Objekte selbst, wie auch die Inszenierung als Vanitas hübsche Metaebenen ergibt. Konsequent ist die Verwendung des von Urängsten behafteten Feuers zur Bearbeitung, also ein effektiv zerstörerischer Schaffensprozess zur Gestaltung des memento mori.
Auf semantischer Ebene spielt Bromm mit Traditionen, Klischees und Symbolen. Auch Sprichwörter scheinen eine unermüdliche Quelle für die Untersuchung gesellschaftlicher Fragmente. Mysterienbeladende Archetypen wecken Erinnerungen an Sagenwelten und Märchenängste und werfen Fragen zu kulturellen Erzählungen auf. Volkstümliche Gegenstände, deren Alltäglichkeit fast beschämend ist, werden gerade durch die Aufmerksamkeit des Bearbeiters zu Besonderheiten, die Nutzung und Schaffung und damit die Nutzer und Schaffer repräsentieren und spiegeln. Bromm verlässt so die Ebene des egozentrierten Künstlers mit vergänglichem Körper, dessen Wirken in den Arbeiten gegenwärtig, da sichtbar ist, und untersucht in samplehafter Manier Äußer- und Innerlichkeiten einer Welt in der Gesellschaft des frühen 21. Jahrhunderts. Bewusst enttarnt wird das chronistenhafte Unterfangen durch das Neben- und Miteinander abstrakter und gegenständlicher Arbeiten.
Das vorgefundene Material gibt immer die Form vor. Auch bei den abstrakt wirkenden Arbeiten bilden die Ausgangsformen der ehemals angewandten Stücke die Körperbeschaffenheiten, die Grundstruktur ist jedoch neu gedacht. Beim Windspiel sind es die Baumscheiben, bei dem kleinen Pfeilerobjekt die Strohhalme und das Lattenholz, beim Ast der - Ast!. In ihrer Zeichenhaftigkeit am leichtesten in der Schublade neben Giacometti einordbar, teilt die Strohhalm-Latten-Skulptur ihre körperliche und körperhafte Wirkung mit den anderen Stücken im Kasten. Materialien und Formen der Objekte stehen durch die Einfachheit der Bearbeitung ganz für sich, zeigen den meditativen Schaffensprozeß und produzieren eine eigene Raumwirkung neben der von Linien und Volumen. Zerfasernde Strukturen bedeuten eine Durchdringung von Raum und Figuren trotz geschlossener Körper ebenso wie eine Abstrahierung der Gegenstände und eine eigene Interpretation des Konzeptes der Skulptur als Psychodrama. Konstruktivistische Einflüsse stehen neben Le Corbusiers Gedanken von “Objekten mit poetischer Wirkung” und formen eine fast surrealistisch anmutende Assemblage.
Bei der Bearbeitung gegenständlicher Objekte inszeniert Bromm die Linien, akzentuiert und transformiert sie zu bestimmenden Themen. Die Konzentration organischer Körper ist interpretatorisch erweiterbar um Systeme jedweder Größe, Komplexität oder Dimension. Allen haftet der Aspekt des Verfalls und des damit inhärent Absurden an, da Existenz- und Nichtsexistenz gleichzeitig sind, sich aber in Bromms Arbeiten rührend um Ignoranz des jeweils anderen bemühen. Damit ist sein memento mori durchaus voller sympathisierender Ironie, die wiederum die bierernste Vanitas-Ebene liebevoll bricht.

Rebecca Harms
Kunsthistorikerin, Wien