l’och pour l’och2

Verdoppelung, Verdreifachung, Vervielfachung ist nicht wegzudenken aus der künstlerischen Strategie von Markus Bromm, den wir Ihnen heute mit einer Auswahl von Arbeiten im KUNSTKIOSK vorstellen möchten.

Die Vervielfachung dessen, was für das Defizitäre, Defekte und Unbrauchbar-gewordene steht, bestimmt das Erscheinungsbild der Objekte des Freiburger Künstlers. In unserer Vorstellungswelt, im Sprachgebrauch besetzt und dominiert von Begriffen wie das Loch im Eimer, das Loch im Ozon, vielleicht auch der Hades, geniesst das Loch geringes Ansehen - Dinge, die es zu bewahren gilt, zerrinnen, Dinge dringen entgegen dem Willen ein. Umgangssprache, immer auch Spiegel von Kategorisierungen westlicher Warenwelt, präsentiert uns den Begriff als Synonym okkupierter und reduzierter Weiblichkeit. Kein Wunder also, wenn Courtney Love, Frontfrau der US-amerikanischen Band “HOLE” diesen Begriff in bester “Riot-girlz”-Manier ihrem männlich dominierten Publikum entgegenschleudert.

Mit mehr Massgabe und anderem künstlerischen Kalkül ist die weibliche Körpermitte ab den 80er Jahren zum zentralen Thema von Künslerinnen wie Louise Bourgeois und Cindy Sherman geworden: Mit einer für Markt und Feulleton schwer verdaulichen Radikalität entstehen hier Objekte höchster Selbstreflexivität. Reflektion, Nachdenklichkeit ist ebenfalls der Schlüssel zu den Arbeiten von Markus Bromm. Das Loch in seiner Vielzahl - “L’och pour l’och” - der Arbeitstitel, gebohrt, gebrannt, hat die Gestalt seiner Objekte, Fundstücke und Alltagsgegenstände verändert. Sie haben an Wägbarkeit verloren und gewinnen an assoziativem Raum. Vom umgebenden Raum durchdrungen, definiert und abermals neu erklärt. Sie werden zum flüchtigen Speicher von Bedeutung jenseits digitaler Festschreibung.
Mäander, Osmose, organisches Gedächtnis, Bedeutungsvielfalt jenseits einer in
Normen erstarrten Welt.

Brigitte und Wolfgang Ludewig betreiben den Kunstkiosk in Ehrenkirchen.