stubenblues

Rauminstallation, Maße variabel, verschiedene Materialien

Die Grundausrüstung besteht aus Sessel, Vorhang, Wandboard, Kerze, Messer, abgebrannter Rosmarin, sowie Beistellkästchen und Kissen (beides imitierendes Holz). Darum angeordnet sind pyrographisch bearbeitete Holztafeln und Holzobjekte. Die Installation befindet sich in ständiger Erweiterung und beinhaltet auch Elemente, die hier nicht abgebildet bzw. aufgelistet sind.

ot/ rustik 1, 2004, 40 x 25 x 3 cm

geweih, 2007, 25 x 15 x 7 cm

tante, 2005, Ø 21,5 cm

om, 2007, 20 x 28,5 x 3 cm

ein prozac der gemütlichkeit, 2007, Ø 24 cm

ot/ digital, 2007, 30 x 20 cm

black forest, 2004, 25,5 x 25, 5 cm

sigmund freud, 2007, 28.5 x 13 x 1 cm

portrait, 2008, Stehrahmen 20 x 14,5 cm

das volk will den tunnel, 2007, 1 x 23 x 15 cm

federn lassen, 2007, 17,5 x 42,5 x 1 cm

brenn aus, 2007, zweiteilig, je 6 x 9,5 x 25 cm

no rain, no future, no how 2009, dreiteilig, je Ø 6cm

kämpfe den gerechten kampf des glaubens, fundstück, Ø 13 cm

mirkaufadnix, 2009, zweiteilig, je Ø 24cm

leih mir mal dein hungertuch, 2008, Ø 50cm

Stubenblues behandelt die Folklore des Schmorens im eigenen Saft. Heilsversprechungen im Traditionellen befördern Bilder ländlicher Idylle, allgemeinen Wohlstands, familiären Glücks und substanzgebundener Gemütlichkeit. Der Wärme- und Authentizitätsspender Holz und dessen Imitate werden mitunter zur Oberfläche für Spuren von nervöser Überhitzung. Mit Sigmund Freud, dem Urvater der Psychoanalyse, lassen sich die Ursachen und Zusammenhänge zeitgenössischen Unbehagens in der Kultur nicht mehr hinlänglich erklären. Freud ist vielmehr zum Deko-Element einer Popgesellschaft degradiert worden, in der die Auseinandersetzung mit der eigenen Psyche als existenzielle Bedrohung schlechthin gilt.

Man legt sich auf keine Couch. Man bleibt krampfhaft auf dem eigenen Sessel kleben, hängt sich allenfalls (je nach Open-Mindedness) ein Freiheits- und Entspannungsemblem oder Durchhalteparolen in die Stube. Die unterschiedlichen Bekundungen widersprechen sich nur zunächst und bilden dann ein Reservoir an austauschbaren Ratschlägen.

Ab und an meldet sich die Welt per Geräusch. Eine Bürgerinitiative weist an der A5 Freiburg Richtung Basel auf die Verkehrsüberlastung in den umliegenden Gemeinden hin: „Das Volk will den Tunnel“. Über die Erfordernis baulicher Maßnahmen angesichts der Diskrepanz von beruhigtem Wohnen und brummendem Transportwesen lässt sich schön streiten; über die die lyrische Kraft dieses Slogans nicht.